Warum fast keine Webagentur ihre Preise nennt – und was dich das kostet
Ich habe fünfzehn Websites von Webdesign-Anbietern durchgesehen und auf jeder nach einer einzigen Sache gesucht: einer Zahl. Gefunden habe ich sie genau einmal. Warum das so ist, welche Gründe dahinterstecken und woran du eine ehrliche Preisangabe erkennst.
Ich habe mir kürzlich fünfzehn Websites von Webdesign-Anbietern im deutschsprachigen Raum angesehen. Nicht aus Neugier, sondern weil ich wissen wollte, wie andere ihre Preisseite aufbauen. Auf jeder Seite habe ich nach einer einzigen Sache gesucht: einer Zahl.
Gefunden habe ich sie einmal. Vierzehnmal stand dort „individuell", „auf Anfrage" oder „je nach Umfang".
Was das für dich bedeutet
Du willst eine Website. Du weißt nicht, ob das 800 Euro kostet oder 8.000 – und diese Spanne ist keine Übertreibung, beide Beträge kommen in dieser Branche vor. Also machst du das Einzige, was übrig bleibt: Du vereinbarst Erstgespräche.
Drei Gespräche zu je 45 Minuten, dazu Vorbereitung, Nachbereitung und die Fahrt oder der Videocall dazwischen. Zusammen ein halber Arbeitstag, in dem du nichts verdienst. Und in zwei von drei Fällen kommt die Zahl auch dann nicht im Gespräch, sondern drei Tage später per Angebot.
Warum die Anbieter das machen
Ich will hier niemandem etwas unterstellen. Es gibt vier Gründe, und drei davon sind gut nachvollziehbar.
Erstens: Der Preis hängt wirklich vom Umfang ab. Eine Seite ist nicht acht Seiten. Ein Betrieb mit zwei Leistungen ist nicht einer mit zwölf. Wer eine Zahl hinschreibt, muss sie erklären – und das ist Arbeit.
Zweitens: die Angst vor dem Vergleich. Wer 3.600 Euro hinschreibt, verliert gegen den, der 900 hinschreibt. Jedenfalls bei dem Teil der Interessenten, der nur auf die Zahl schaut. Dass die 900-Euro-Seite hinterher nachbestellt werden muss, sieht man vorher nicht.
Drittens: Verkaufstechnik. Erst den Wert aufbauen, dann den Preis nennen – so steht es in jedem Verkaufsratgeber. Das funktioniert auch. Für den Anbieter.
Viertens: Die Seite wird nicht gepflegt. Preise, die 2022 gestimmt haben, will 2026 niemand mehr auf seiner Website stehen haben. „Individuell" veraltet nie. Das ist der Grund, über den am wenigsten gesprochen wird, und vermutlich der häufigste.
Warum das trotzdem nicht reicht
Grund eins ist echt, und er hält trotzdem nicht. Denn dass der Endpreis vom Umfang abhängt, hindert niemanden daran, einen Ab-Preis zu nennen. Bei mir steht deshalb überall „ab" – und daneben, warum.
Wer nach fünf Jahren im Geschäft nicht sagen kann, was sein kleinstes sinnvolles Projekt kostet, hat es entweder nie ausgerechnet oder will es nicht sagen. Beides solltest du wissen, bevor du dich für jemanden entscheidest.
Was dich das Schweigen tatsächlich kostet
- Zeit. Ein halber Arbeitstag für drei Gespräche, in denen du dieselbe Frage dreimal stellst.
- Eine falsche Erwartung. Du planst mit einer Zahl aus dem Bauch heraus und richtest dein Budget danach aus. Wenn das Angebot kommt, passt es nicht – und du fängst von vorne an.
- Nachverhandlung. Wo kein Preis stand, steht auch nicht, was dafür enthalten ist. Was dann später dazukommt, kommt zum Stundensatz.
- Das unangenehme Gespräch am Schluss. Das, in dem jemand zum ersten Mal erfährt, dass die Bildrechte nie dabei waren.
Wie ich es mache – und was mich das kostet
Auf meiner Preisseite stehen Beträge. Ein OnepagerEine Website, die aus einer einzigen langen Seite besteht – man scrollt statt zu klicken. Für ein einzelnes Angebot ist das oft genug, für mehrere Leistungen zu wenig, weil Google je Suchanfrage eine eigene Seite braucht.Aufbau ansehen ab € 1.890, eine mehrseitige Website ab € 3.600, WordPress ab € 4.400 – netto, zuzüglich 20 % Umsatzsteuer. Bei jeder Position stehen drei Spalten: was enthalten ist, was gegen Aufpreis dazukommt, und was ausdrücklich nicht dabei ist.
Die dritte Spalte ist die, die in Angeboten sonst fehlt. Sie kostet mich ein paar Aufträge – es gibt Leute, die den Betrag oder das Wort „nicht" sehen und gar nicht erst anrufen. Manche davon hätte ich im Gespräch überzeugt. Ich nehme das in Kauf, weil mir die andere Sorte Gespräch lieber erspart bleibt.
Und „ab" heißt bei mir nicht „mindestens". Nach dem kostenlosen Erstgespräch bekommst du einen Festpreis, und der ändert sich danach nicht mehr – auch dann nicht, wenn ich mich verschätzt habe. Das ist der Teil, der mich diszipliniert.
Woran du eine ehrliche Preisangabe erkennst
- Es steht überhaupt ein Betrag da. Klingt banal, ist aber die Hürde, an der vierzehn von fünfzehn scheitern.
- Es steht dabei, ob netto oder brutto. Zwanzig Prozent Unterschied sind kein Detail.
- Es steht dabei, was nicht enthalten ist. Bildrechte, Lizenzen, HostingDer gemietete Platz auf einem Server, auf dem die Dateien deiner Website liegen. Billiges Hosting ist die häufigste Ursache für langsame Seiten – und die einzige, an der kein noch so guter Text etwas ändert., Werbebudget. Wo diese Liste fehlt, wird sie später zur Rechnung.
- Der Ab-Preis wird erklärt. Für welchen Fall gilt er, und was macht ihn teurer?
- Es gibt einen Festpreis vor dem ersten Handgriff. Nach dem Gespräch, schriftlich, und danach unverändert.
Die eine Frage fürs Erstgespräch
Wenn auf einer Website kein Preis steht, ist das für sich genommen noch kein Ausschlussgrund. Es kann auch nur bedeuten, dass die Seite seit drei Jahren niemand angefasst hat.
Stell im Gespräch also einfach diese Frage: „Was kostet bei Ihnen das kleinste sinnvolle Projekt?"
Eine gute Antwort ist eine Zahl, gefolgt von einem „aber" – dem, was den Preis in deinem Fall verändert. Eine schlechte Antwort ist eine Gegenfrage. Wer dir jetzt keine Zahl nennt, wird es auch in vier Wochen nicht gern tun.
Wenn du wissen willst, was deine Website bei mir kosten würde: Die Beträge stehen auf der Preisseite. Was davon in deinem Fall zutrifft, klären wir im Erstgespräch – das kostet nichts und endet manchmal damit, dass ich dir von etwas abrate.